Durch seine Frau kam Graf v. Gneisenau in den Besitz des Gutes
Mittel-Kauffung in Schönau. Im Herbst 1816 tauschte er dieses Besitztum gegen das
Gut Erdmannsdorf bei Hirschberg im Riesengebirge ein, allerdings mußte er dazu noch 105 000 Taler bar bezahlen.
Bald siedelte der Graf mit seiner Familie nach Erdmannsdorf über, hier in dem Gutshause entfaltete sich bald ein reges Familienleben. 


                                                                                                                                                                                                                Gut Erdmannsdorf
1814 erhielt Gneisenau die Sommerschenburg von König Friedrich Wilhelm III. als Geschenk für seine Verdienste. Sie blieb bis zur Enteignung 1945 im Familienbesitz.           

                     
                                                                                                                                       Stich im Besitz der Familie                

                                                           Geschichte der Sommerschenburg
Zunächst werden in den Quellen nicht die Burg, sondern das bedeutende sächsische Geschlecht der Grafen v. Sommerschenburg genannt.

  • Erst nach 1088 wurden Friedrich I. und seine Nachkommen, die die sächsische Pfalzgrafenwürde erbten, als Grafen v. "Summersenburg" bezeichnet. Nach dem Tode des letzten Grafen von Sommerschenburg brachte Heinrich der Löwe die Burg an sich, obwohl die Allodialerbin, die Äbtissin Adelheid von Quedlinburg, ihre Ansprüche an Erzbischof Wichmann verkauft hatte. Nach dem Sturze Heinrichs 1179 konnte der Erzbischof die Burg zwar in Besitz nehmen und sie 1184 an Papst Lucius III. bestättigen lassen, dann kam es aber zu erneuten Streitigkeiten mit den Erben des Löwen. Die Burg wechselte mehrmals den Besitzer, wurde zerstört und wieder aufgebaut.
  • Erst seit 1219 blieb sie beim Erzbistum. Die Erzbischöfe gaben die Burg 1231 an die v. Warberg als Lehen aus, nach dem 1212 bereits Erich v. Wanzleben vorübergehend hier Lehensträger gewesen war. Außerdem gab es Burgmannen auf der Burg, die z.T. in den benachbarten Dörfern umfangreichere Güter inne hatten. 1276 ist Johann v. Hornhausen, 1288 Arnold v. Mammendorf, Berthold v. Wefensleben und Berthold v. Schöningen nachzuweisen. Andere Lehensleute sind im 14. und 15. Jahrhundert belegt. Zwischendurf wurde die Burg auch verpfändet, z.B. 1302.
     
  • Nach Beendigung der Belehnung der v. Warberg 1443 wurden die Burg und die dazugehörigen Dörfer von Amtleuten als Amt verwaltet. Allerdings wurde auch das Amt noch gelegentlich versetzt, so 1512 - 1571 an die v. Steinberg.

  • Im 30-jährigen Kriege war die Burg zunächst von Christian v. Braunschweig, dann aber von Wallensteinischen Truppen besetzt, welche von hier aus die Umgebung ausplünderten. Nach 1631 folgten schwedische Truppen, die aber fast in gleicher Weise hausten wie die Kaiserlichen. Die Pest des Jahres 1636 tat ein übriges zur Verödung des Landes. Seit 1680 war die Burg wieder Sitz eines in Pacht ausgegebenen brandenburgischen Amtes, dem die Dienste und Gerichtshoheit bei den benachbarten Orten zustanden.
     

  • Unter der westphälischen Herrschaft gehörte Sommerschenburg zum Kanton Harbke im Distrikt Helmstedt des Okerdepartments. Das Amt war von Napoleon an den General Savery, Herzog von Rovigo, als Dotation gegeben worden.
     
  • Nach dem Sieg über Napoleon fiel die Sommerschenburg wieder an Preußen zurück.  Am 11.11.1814 schenkte König Friedrich Wilhelm III. die Sommerschenburg dem General-Feldmarschall Graf v. Gneisenau, dessen Familie es bis zur Enteignung 1945 besaß.

  • Nach 1945 wechselte das Schloß mehrfach seine Besitzer und seine Bestimmung:

    • April bis Juni 1945                                  Besetzung durch englische Streitkräfte
    • Juli bis Oktober 1945                              Besetzung durch russische Streitkräfte
    • November 1945 bis Februar 1946        Behelfsmäßiges Typhus-Krankenhaus 
    • März bis Mai 1946                                   Renovierung
    • Juni bis September 1946                        Ferienheim 
    • Oktober 1946 bis März 1947                  Parteischule
    • April 1947 bis April 1948                        Altersheim 
    • Mai 1948 bis August 1953                      Maschinen- & Traktorenstation Barneberg
    • September 1953 bis Sommer 1998       Grundschule Sommersdorf / Sommerschenburg
    • 1990-1999                                                  Eigentum der Gemeinde Sommersdorf 
    • 1999                                                             Die Gemeinde verkauft das Schloss an einen Bremer Geschäftsmann, welcher aber
                                                                            vom Kauf zurücktritt. Stattdessen wird der Kaufvertrag von Larysa
                                                                            Shynkarenko-Huy aus Esbeck (Landkreis Helmstedt) unterschrieben.
    • seit 2004                                                    Im Privatbesitz eines Grafen von Hardenberg. Der Zugang zum Schlossgelände
                                                                            ist heute abgeriegelt und das Betreten verboten.


Baugeschichte

  • Der älteste Teil ist der Bergfried aus dem Ende des 12. Jahrhunderts. Der anschließende Trakt, der als Pferdestall genutzt wurde, ist barock, vermutlich 17. Jahrhundert. Das Schloß selbst stößt ebenfalls an den Bergfried. Erbaut 1896/97 von Doberentz-Leipzig. Die Wandelhalle und das Fremdenhaus, die gesondert liegen, entstammen den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts. In unmittelbarer Schloßnähe liegt ein später als Stallung benutztes Gebäude des 18. Jahrhunderts. Im Nordwesten und Westen ist das Burggelände mit doppeltem Wall und Graben umgeben.
  • Die Sommerschenburg hat unter den alten Burgen des ehemaligen Sachsenlandes eine besonders bewegte Geschichte. Viele bedeutende Persönlichkeiten waren in ihren Mauern. Es gab lange Streitigkeiten um den Besitz der Burg zwischen dem welfischen Heinrich dem Löwen und dem Magdeburger Erzstift. Das Erzstift hatte die Burg samt Zubehör von der Äbtissin Adelheid, einer Schwester des letzten sommerschenburgischen Pfalzgrafen Adalbert II. käuflich erworben. Trotz dieser Tatsache nahm Heinrich der Löwe die Burg in einem Handstreich ein und verlieh sie an die Edlen von Warberge. In der Geschichte der Burg spielt auch der Kampf der Gegenkönige Philipp von Schwaben und Otto von Braunschweig eine Rolle - als Parteigänger des Schwaben eroberte der Magdeburger Erzbischof die Feste und ließ sie schleifen. Kaum wiederaufgebaut, kam sie erneut in den Besitz der Welfen, blieb aber danach unter Magdeburger Oberhoheit. Zunächst wurde sie aber an die Edlen von Warberge weiterverpfändet. Zu Diesen gesellten sich auf der Burg noch eine ganze Anzahl anderer Geschlechter, die Inhaber von Burglehen waren. Ende des 15. Jahrhunderts löste der Erzbischof die Sommerschenburg wieder ein. Ab diesem Zeitpunkt saßen die Amtsleute des Erzstifts auf der Burg und verwalteten von hier den Burgbezirk.
  • Der 30-jährige Krieg hat auch die Sommerschenburg stark mitgenommen. Bald war sie von den Truppen des Herzogs von Braunschweig-Lüneburg (genannt der tolle Christian - Administrator im Bistum Halberstadt), bald von den Truppenteilen Wallensteins oder auch von dänischen bzw. schwedischen Soldaten besetzt.
  • Das 19. Jahrhundert brachte der jetzt zum Königreich Westphalen geschlagenen Burg die Übereignung an den General-Adjudanten Napoleons, Savary.
  • 1814 schenkte König Friedrich Wilhelm III.  den Besitz dem Feldmarschall Grafen von Gneisenau. 1835 wurde im Schloßpark von Friederich Schinkel ein Mausoleum für den Feldmarschall errichtet und fünf Jahre später dazu ein Standbild von Christian Rauch.
  • Der Schlosspark wurde im englischen Landschaftsstil errichtet.
  • 1894 wurde auf dem Burggelände  an Stelle des alten Amtshauses ein neues Schloß gebaut. Die Familie bewohnte es bis zur Enteignung 1945.
  • Durch die Bodenreform in der damaligen Ostzone wurde sein gesamter Grundbesitz, einschließlich aller Gebäude, enteignet. Auch das landwirtschaftliche Inventar wurde enteignet.
    Dagegen wurde das im Schloß befindliche Kunst- und Kulturgut nur in "Verwahrung" genommen. Die entsprechenden SMAD Befehle, u.a. der Befehl Nr. 177 und die Gesetze der damaligen Provinzialverwaltung in Halle, sprechen ausdrücklich nur von der Verwahrung oder Sicherstellung des Kunst- und Kulturgutes.

Als Gneisenau 1825 erstmalig auf der Sommerschenburg weilte, ist er über die schöne Lage und den guten Zustand der Wirtschaft entzückt.
„Die hiesigen Güter gehören in landwirtschaftlicher Hinsicht zu den schönsten, die es geben kann. Der Schloßhof gewährt durch seine hohe Lage eine seltene Aussicht über ein meilenweites fruchtbares Land und über das ganze Harzgebirge, ist in einem Halbkreis mit Laubwäldern umgeben, hat schöne Baumgärten, auf der vorderen steilen Seite Terassen mit Weinstöcken, Pfirsich- und Aprikosenbäumen und vortreffliches Obst. Die hiesigen Kirschen sind berühmt. Die Umgebung ist etwas bergig, sehr baumreich, sehr grün, sehr großwüchsig. Da der Forst an den Schloßgarten stößt, so würde man mit sehr wenigen Kosten einen vortrefflichen Park erschaffen können."
(Briefzitat; Briefe an seine Frau vom 7. und 11.7.1825)

Sehr informativ ist dazu auch die Seite von Hildegard Müller: Sommerschenburg Bördekreis

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